Thriller-Time in Genf

Genfer Banken-Thriller

Oft hat man in Genf das Gefühl, man sei die einzige, die keine Millionen auf dem Konto hat. Während um einen herum Ferrari brausen und der Champagner in Strömen fließt, ist man selbst schon froh, dass man sich den Bar- und Restaurantbesuch überhaupt leisten kann. Aber ich will mich nicht beklagen: Anderen beim Reichsein zusehen und darüber Bücher schreiben, ist einfach spannend.

Bar in Genf
Champagner marsch: Morgens gute Geschäfte, abends Alkohol

Luftaufnahme von Genf
Genf – die Finanzmetropole am Lac Léman wie der Genfer See auf Französisch heißt
Genfer Mont-Blanc-Brücke
Pont du Mont-Blanc, Nadelöhr ins Genfer Stadtzentrum

Auszug aus Kapitel 1

9. März 2016

Er zockte nur, wenn sich das Risiko lohnte. Seine Klienten wussten das und ließen ihm praktisch freie Hand. Dabei konnte er sich natürlich nicht immer an die Regeln halten. Aber er war ein Meister darin, sie zu umschiffen und alles ganz legal aussehen zu lassen. Wenn es um Geld ging, wusste er sehr genau, was auf dem Spiel stand. Das galt allerdings nicht für alle Bereiche seines Lebens.

Er rieb sich die Schweißperlen von der Stirn. Der Kaffee tat ein Übriges. Er lockerte die Krawatte. Wie jeden Morgen war er der erste im Büro gewesen. Er benötigte nicht mehr als vier Stunden Schlaf. Egal, wie das Wetter war, er stand jeden Morgen um Punkt fünf auf und ging laufen. Im Winter wenn es noch dunkel war, setzte er seine Stirnlampe auf. Zu viel Schlaf war etwas für Verlierer. Nachdem er wenigstens eine halbe Stunde durch den kleinen Park, der nur wenige hundert Meter unweit seines Appartements begann, gejoggt und danach geduscht hatte, fuhr er in die Bank.

In Genf gab es nichts Schlimmeres als den morgendlichen Berufsverkehr. Er konnte die Leute nicht verstehen, die allen Ernstes um acht Uhr losfuhren und sich dann wunderten, dass alle Straßen rund um den Quai Gustav-Ador und die Pont du Mont-Blanc verstopft waren. Tram und Bus waren auch nicht besser. Die hielten an jeder Ecke und waren in den Stoßzeiten hoffnungslos überfüllt. Er selbst brauchte frühmorgens von der Tiefgarage seines Appartements bis zum Tiefgaragenstellplatz im Quartier des Banques nicht mehr als eine Viertelstunde. Wenn die anderen Mitarbeiter langsam der Reihe nach eintrudelten, hatte er schon die Kurse studiert, mit Übersee telefoniert und Geschäfte gemacht. Dann war es Zeit für einen zweiten Kaffee.

Doch heute saß er noch immer tatenlos da und starrte auf das Foto in der E-Mail. Er musste sich beruhigen. Denk nach, befahl er sich. Das Bild zeigte ihn in hoher Auslösung … Weiterlesen

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